Tierarztpraxis für Ernährung

Dr. med. vet. Danja Klüver

BARF für Hunde & Katzen

Artgerechte Rohfütterung - Fehlernährung beim Barfen

6. Häufige Fehler beim Barfen

Über kaum ein Thema unter Tierfreunden wird soviel diskutiert wie über die richtige Ernährung unserer Haustiere. Und zu keinem Thema gibt es so viele unsachgemäße Ratschläge und Tipps. Empfehlungen wie: "großwüchsige Hunderassen sollten schon im Welpenalter mit Futtermitteln für ausgewachsene (erwachsene = adulte) Hunde gefüttert werden" machen unter den Hundefreunden hartnäckig die Runde. Züchter haben oft ihre ganz "eigenen" Vorstellungen und viele Tierärzte überlassen aus Zeitgründen der Futtermittelindustrie dieses weite Feld.

Wie wichtig eine korrekte Fütterung sein kann, zeigt sich in der Tierarztpraxis nur all zu deutlich, wenn Fellprobleme, Übergewicht, Futtermittel-Allergien oder Erkrankungen des Bewegungsapparates vorliegen.

Die Tierernährung ist ein großes eigenes Fachgebiet, vergleichbar mit der inneren Medizin oder der Augenheilkunde. Es ist ein Fachgebiet, bei dem man nicht nur den Bedarf der Tiere an Nahrungsbestandteilen kennen muss, sondern auch mathematisch ausgebildet sein sollte, um den individuellen Tagesbedarf des Tieres errechnen zu können. Nur so ist es möglich, unseren Haustieren eine optimale Fütterung zu gewährleisten.

Vergleiche mit der wölfischen Ernährung hinken nicht selten, und nicht jedes Tier mag und verträgt rohes Fleisch. Ernährung ist am Ende auch wieder eine individuelle Sache.

Häufige Fehler:

Energieüberschuss durch zu viele Fette oder Kohlenhydrate

Junghunde, die zu energiereich (Fett, Kohlenhydrate) gefüttert werden, stecken diese Energie komplett in das Längenwachstum der Knochen, wodurch die Ernährung der Knochen und des Knorpels gestört werden kann. Junghunde werden nicht dick, sie werden nur zu schnell groß! Durch das zu schnelle Wachstum kann eine OCD begünstigt werden Bei ausgewachsenen Tieren kommt es zum Übergewicht.

Mangel an Fetten oder Kohlenhydraten

Hunde haben (im Gegensatz zur Katze) eine hohe Enzymausstattung für den Abbau von Stärke, weshalb ein Teil der Gesamtfutterenergie in Form von Stärke zugeteilt werden kann (aber nicht muss). Hunde decken normalerweise ihren Energiebedarf aus Fetten oder Kohlenhydraten. Bei einem Mangel beider Komponenten sind sie gezwungen, die Energie aus Proteinen zu ziehen. Dabei entstehen schädliche biogene Amine.

Kohlenhydratüberangebot

Die Darmflora verschiebt sich zu Gunsten der Kohlenhydrat spaltenden Bakterien. Diese sind häufig Gasbildner. Blähungen (Flatulenz) sind die Folge. Kohlenhydratspaltende Bakterien haben einen sauren Stoffwechsel: der pH-Wert sinkt. Bei Überschuss dieser Bakterien kommt es zu sauren Durchfällen.

Proteinüberversorgung

Bei einer reinen Fütterung mit magerem Fleisch, bei der nur Gemüse (zu viele Ballaststoffe behindern die Verdaulichkeit von Eiweißen) ergänzt wird, wird der Hunde-Organismus gezwungen, seine Energie aus den Proteinen zu gewinnen, da ihm keine Fette oder verdaulichen Kohlenhydrate zu Verfügung stehen. Dabei fallen Stoffwechselendprodukte an, die den Körper belasten. Diese so genannten biogenen Amine wirken krebserregend und belasten die Leber.

Proteinunterversorgung

Junghunde werden häufig mit Proteinen unterernährt, damit sie "nicht so schnell wachsen". Die Proteine sind Bausteine und werden zum Aufbau von Körpergewebe, Hormonen und Enzymen (=Proteine, die Stoffwechselgeschehen und somit chemische Prozesse beschleunigen oder steuern) gebraucht. Proteine sind nicht für die Geschwindigkeit des Längenwachstums verantwortlich. Hierbei ist nämlich der Energieanteil in der Ration (Fett und Kohlenhydrate) maßgeblich verantwortlich. Ein Proteinmangel ist fatal, denn der Junghund kann dadurch eine Unter- und Fehlentwicklung erleiden.

Falsches Calcium/Phosphor-Verhältnis

Kalzium und Phosphor spielen eine entscheidende Rolle im Knochen- und Zahnaufbau. Der Körper ist stets bemüht, den Blutspiegel auf gleichem Niveau zu halten, weshalb man einen Mangel oder einen Überhang eines der beiden Mineralien nicht durch eine Blutanalyse aufdecken kann. Erst wenn extreme Verhältnisse herrschen und die Aufrechterhaltung des Blutspiegels nicht mehr gelingt, zeigen Blutanalysen veränderte Werte. Zu diesem Zeitpunkt hat aber der Knochen in seiner Struktur schon starken Schaden genommen. Deshalb muss eine Kontrolle über die Berechnung der Futterration erfolgen. Das Verhältnis von Ca zu P sollte in der Nahrung bei 1,3:1 bis bis zu 2:1 liegen. Calcium sollte die doppelte Menge von Phosphor nicht überschreiten; Welpen u. Junghunde sollen bei ausgeglichenem Ca:P Verhältnis nicht mehr als das 1,5-fache, adulte Tiere nicht mehr als das zweifache der empfohlenen Mengen erhalten. Die Folge eines falschen Ca/P-Verhältnisses kann bei Junghunden (vor allem großwüchsiger Rassen) ein gestörtes Knochenwachstum sein.

Weiterlesen: Folgen von chronischer Fehlversorgung

  1. Ernährung/BARF (Biologisch artgerechte Rohfütterung)? JA (!) aber richtig!
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