Tierarztpraxis für Ernährung

Dr. med. vet. Danja Klüver

BARF für Hunde & Katzen

Artgerechte Rohfütterung - Fehlernährung durch Barfen

4. Fehlernährung durch Barfen

Leider entstehen häufig fatale Fütterungsfehler, wenn man sich die "aus dem Bauch heraus" zusammengestellten Futterrationen ansieht.

Eine aktuelle Barf-Studie zeigt, dass der überwiegende Teil der aus dem Bauch heraus zusammengestellten Futterrationen große Mängel aufweist (Ludwig Maximilian Universität München). Niemand möchte seinem Hund bewusst schaden und ihn mangelhaft ernähren. Aber trotz Handeln nach besten Wissen und Gewissen sowie intensiver Recherche kommt es immer wieder zu Fehlernährungen durch Barfen.

Warum ist das so?
1. Die Verfütterung von vielen verschiedenen Futtermitteln erweckt bei Ihnen vielleicht den Eindruck, dass alle Nährstoffe abgedeckt sein müssten. Die Versorgungssituation wird also überschätzt. Vielleicht unterschätzen Sie zeitgleich aber auch den Bedarf Ihres Tieres, oder kennen ihn gar nicht. Die Folge ist eine unausgewogene Futterration, womit Sie Ihrem Hund mehr schaden als nützen.

2. Vergleiche mit der menschlichen oder wölfischen Ernährung hinken oft. Es wird dabei meist stillschweigend davon ausgegangen, dass die menschliche oder wölfische Ernährung optimal ist. Das ist aber nicht der Fall. Gerade die menschliche Ernährung ist sehr häufig ungesund und auch nicht bedarfsdeckend. Der Wolf leidet nicht selten an Mangelsituationen, je nach Futterangebot und Lebensraum. Wir als Tierhalter haben aber die Möglichkeit, unsere Haustiere optimal zu ernähren. Wie möchten, dass unsere Hunde und Katzen möglichst gesund alt werden sollen. Wir können es besser machen, als der Wolf in der Natur.

3. Bei der Zusammenstellung der Futterration wird davon ausgegangen, dass der Mensch und Hund den gleichen Nährstoffbedarf haben. Dieser unterscheidet sich aber sehr. Der Bedarf des Hundes liegt bei sehr vielen Nährstoffen deutlich höher. Zum Beispiel haben Hunde einen 5-fach höheren Zinkbedarf und einen 3-fach höheren Jodbedarf als Menschen.

4. Gerne werden bestimmte Nahrungsmittel, die besonders reichhaltig an Nährstoffen sind (Leber: Vitamin A; Knochen/Eierschale: Kalzium; Seealgenmehl: Jod), in zu hoher Menge verfüttert, wodurch eine Überversorgung der entsprechenden Nährstoffe entsteht.

5. Viele Futterrationen bestehen nur aus Fleisch und Gemüse. Spurenelemente, wie Zink und Kupfer sind darin aber fast nicht enthalten und fehlen so dauerhaft in der Ernährung. Auch Kohlenhydrate bieten da keine Alternative, nur Leber und Niere sind hier geeignet, als Nährstoffquelle zu dienen.

6. Auch die Meinung, der Nährstoffbedarf kann schubweise gedeckt werden und muss nur in einem bestimmten Zeitraum erfüllt werden, birgt Gefahren:

Beispiel:

Die Deckung des Calciumbedarfs über die stoßweise Verabreichung des 10-fachen Tagesbedarfs (z.B. durch Knochenfütterung) alle 10 Tage zu einer ansonsten calciumarmen Ration (mit vielleicht noch falschem Ca:P- Verhältnis) kann die hormonelle Mineralstoff-Regulation (Calcitonin, Parathormon, Cholecalciferol) im Körper aushebeln und die Verwertung anderer Elemente (Kupfer, Zink , die sowieso schon oft unterversorgt sind) behindern.

Weiterlesen: Fehlernährungen durch Barfen

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