Tierarztpraxis für Ernährung

Dr. med. vet. Danja Klüver

BARF für Hunde & Katzen

Impfen - ja: Erkrankungen bei Katzen, gegen die geimpft werden sollte

9. Impfen - ja: Erkrankungen bei Katzen, gegen die geimpft werden sollte

Katzenschnupfen | Katzenseuche | Leukose

Katzenschnupfenkomplex:

Kater Pucki

Diese Erkältungserkrankung der oberen Luftwege hat ihre Ursache in mehreren Erregern (Caliciviren und Herpesviren, Chlamydien, Bordetella bronchiseptica) und gilt normalerweise als nicht lebensbedrohlich, solange keine zusätzliche Infektion der Lunge mit Bakterien stattfindet. Besonders anfällig sind Katzen unter 3 Monaten und ausgewachsene Katzen unter Stress. Ratsam ist die Impfung nur bei Tieren, die in größeren Beständen (Tierheim, Zucht) gehalten werden, oder bei Freigängern, die sehr viel Kontakt zu anderen Katzen haben. Die Impfung besteht aus einer Kombination von Calici- und Herpesviren. Sie bietet keinen vollständigen Schutz (nur zwischen 50% und 75%) gegen Katzenschnupfen (ähnlich Zwingerhusten beim Hund oder Grippeimpfung beim Mensch). Es kann also trotz Impfung zur Erkrankung kommen.

a) Felines Herpesvirus Typ1:

Die Ansteckung einer Katze beginnt durch engen Kontakt (Niesen, Ablecken der Schnauzen, Schmusen) im Nasenraum, von wo aus sie sich in den Rachenraum, die Lidbindehäute und die oberen Luftwege ausbreitet. Die Folge ist leichtes Fieber, Entzündung der Schleimhäute und es kommt zu Niesen, Schnupfen (erst wässrig, dann schleimig-eitrig), Augenausfluss (erst wässrig, dann schleimig-eitrig), Bindehautentzündung (Rötung, Schwellung), Lichtscheue und evt. erschwerte Atmung. Die Fresslust bleibt meist erhalten und es kommt zu einer spontanen Ausheilung binnen 10-14 Tagen. Der größte Teil der Katzen bleibt aber infiziert und wird entweder zum symptomlosen Virusausscheider (in Schüben), oder zu einem verdeckt infizierten Tier, bei dem die Reaktivierung der Erkrankung durch Stress (zum Beispiel: Geburt, Säugeperiode, Besitzerwechsel) oder Cortisontherapie ausgelöst werden kann.

Wenn sich die Infektion aber auf die Nasenhöhlen, die Luftröhre und Lunge ausbreitet, kommt es häufig zu bakteriellen Sekundärinfektionen. Es kann dann hohes Fieber, völlige Apathie und Fressunlust folgen. Bei so einem schweren Verlauf können die Katzen selten auch sterben. Gelegentlich zeigt sich eine chronische Stirnhöhlenentzündung.

b) Felines Calicivirus:

Es gibt viele verschiedene Stämme dieser Virusart. Doch die Übertragung dieses Miterregers des Katzenschnupfens erfolgt bei allen Stämmen meist durch direkten Kontakt. Nach der Infektion kommt es zu Mattigkeit, Fressunlust, Fieber, später zu wässrigem bis eitrigem Nasenausfluss sowie zu Geschwüren am Zungenrand und am Gaumen. Die Symptome können stark oder schwach ausgeprägt sein. Außerdem können Durchfall, Erbrechen, Muskel- und Gelenkschmerzen begleitend auftreten. Das feline Calicivirus ist bei einer alleinigen Infektion selten krankmachend. Erst wenn zusätzliche Infektionen mit Bakterien oder anderen Viren auftreten kommt es zur Erkrankung. Nach der Infektion durch das Calicivirus werden viele Katzen zu symptomlosen Virusausscheidern. Die Ausscheidung erfolgt recht kontinuierlich und wird durch Stress kaum beeinflusst. Bei einigen dieser Tiere kann es (wie durch andere Virusarten auch) zu chronischen Maulschleimhautentzündungen kommen.

Eine Impfung schützt das Tier allerdings nicht vor allen Stämmen dieser Virusart. Es wird nur ein bis zu 75%iger Impfschutz erreicht.

c) Chlamydien:

Es handelt sich um Bakterien, die bei der Katze hauptsächlich akute bis chronische, ein- oder beidseitige Bindehautentzündung, Lahmheiten, Schnupfen und Rachenentzündung hervorrufen. Welpen können sich im Geburtsweg infizieren. Im späteren Alter erfolgt die Infektion in erster Linie durch direkten Kontakt der Nasen oder Tröpfcheninfektion. Der Hauptangriffspunkt der Chlamydien sind die Bindehäute, die sich röten und zum Teil erheblich anschwellen. Unbehandelt bleiben diese Symptome bis zu 6 Wochen bestehen, ehe es zur Abheilung kommt. Es kann Fieber bis zu 10 Tagen bestehen. Die Prognose ist wegen der Spontanheilung günstig.

d) Bordetella bronchiseptika:

Die zum Katzenschnupfen-Komplex gehörenden Bakterien sind Begleiterreger und kommen fast nur bei Katzen vor, die in einer größeren Gruppen gehalten werden. Einzeln gehaltene Tiere sind höchst selten Träger dieser Bakterien. Die Infektion erfolgt durch Tröpfcheninfektion, wobei die Übertragung vom Hund auf die Katze möglich ist. Die Viren besiedeln den oberen Atmungstrakt und verursachen Erkältungssymptome.

Katzenseuche (Parvovirus)

Es handelt sich um eine heftig und möglicherweise zum Tode führende Magen-Darm-Erkrankung. Die Infektion erfolg über die Maul- oder Nasenschleimhaut. Die Katzen bekommen einen hochgradig wässrigen oder sogar blutigen Durchfall, der schnell zum Austrocknen des Körpers führen kann. Sie verweigern jegliche Nahrung und erbrechen häufig. Das dritte Augenlid fällt oft vor. Die Tiere haben Schmerzen im Bauch. Die wichtigste Therapie besteht im Flüssigkeitsersatz. In chronischen Fällen kann ein schwer zu beeinflussender Durchfall bestehen bleiben. Besonders gefährdet sind Jungtiere im Alter von sechs Wochen bis vier Monaten. Eine Infektion älterer Katzen führt höchstens zu leichtgradigen Symptomen. Die Impfung bildet einen guten und belastbaren Impfschutz.

Leukose (Retrovirus)

Diese Viruserkrankung wird über den Speichel übertragen. Auch ist eine Infektion von Welpen über die Muttermilch möglich. Die infizierten Welpen entwickeln sich in den meisten Fällen nicht normal und sterben nach kurzer Zeit. Besonders junge Tiere unter 16 Wochen sind für die Leukose-Infektion empfänglich. Ältere Tiere lassen sich weniger leicht infizieren. Das klinische Bild ist außerordentlich vielseitig. Die meisten Tiere entwickeln eine ausreichende Immunantwort nach Infektion und zeigen keine klinischen Symptome. Nur cirka 2% der infizierten Tiere erkranken. Es gibt zwei Verlaufsformen:

1. Verlaufsform mit Tumorbildung (cirka 23% der erkrankten Tiere)

Bei dieser Verlaufsform entstehen in 10% der Fälle Tumoren (Lymphsarkome) in den unterschiedlichsten Organen. In 90 % der Fälle entartet das Blut tumorös (myeloische Leukämie), was sich in einer hochgradigen Vermehrung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) zeigt.

2. Verlaufsform ohne Tumorbildung (cirka 77% der erkrankten Tiere)

Bei dieser Verlaufsform kann eine Immunschwäche mit erhöhter Anfälligkeit gegen Krankheitserreger (Viren, Pilze, Bakterien) vorherrschen. Chronischer Schnupfen und andere unspezifische Erkrankungen, eine stark verzögerte Wundheilung und anhaltendes Fieber führen zu einem körperlichen Abbau. Außerdem zeigt sich oft eine Verminderung von einzelnen Blutzellenarten (Anämie, Leukopenie, Lymphopenie, Thrombozytopenie, Panzytopenie).

Die Erkrankung ist ansteckend und endet in der Regel mit dem Tod.
Mit dem Rückgang der Leukose-Erkrankungen infolge Impfungen ist das Auftreten der Lymphosarkome jedoch nicht zurückgegangen. Diese treten in jüngerer Zeit zunehmend im Darm auf. Man diskutiert derzeit Zusammenhänge mit anderen entzündlichen Darmerkrankungen und Katzenfutter. Eine Impfung kann ab der 9. Lebenswoche durchgeführt werden, ist aber bei bereits stattgehabter Infektion nicht nur wirkungslos, sondern kann dann sogar zum Ausbruch der Erkrankung führen. Aus diesem Grund ist ein vorheriger Bluttest angezeigt, der eine Infektion mit Leukose-Viren ermittelt. Die Impfung ist nur für Freigänger zu empfehlen, Wohnungskatzen ohne Kontakt zu anderen Tieren sind nicht gefährdet.
Die Impfung bildet einen bis zu 95%igen Schutz. Die Impfung erfolgt immer als Einzelimpfung ab der 9. Lebenswoche, mit einer Wiederholungsimpfung nach 4 Wochen.
Danach Auffrischimpfung alle 3 Jahre.
Ab dem 6. bis 8. Lebensjahr besteht ebenfalls eine Altersresistenz bei regelmäßig geimpften Katzen. Außerdem nimmt mit zunehmendem Alter die Empfänglichkeit der Katze gegenüber Leukose ab.

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  1. Allgemeines zum Impfen von Katzen
  2. Individuelles Impfschema
  3. Unverträglichkeiten und Risiken durch Impfungen
  4. Nutzen und Risiko abwägen
  5. Grundimmunisierung von jungen Katzen
  6. Geringere Anzahl an Impfungen pro Impftermin
  7. Impfschema Katzenwelpen
  8. Impfschema ausgewachsene Katzen
  9. Impfen ja: Beschreibung der Erkrankungen, gegen die geimpft werden sollte
  10. Impfen nein: Beschreibung der Erkrankungen, gegen die nicht routinemäßig geimpft werden sollte