Tierarztpraxis für Ernährung

Dr. med. vet. Danja Klüver

BARF für Hunde & Katzen

Klassische Homöopathie - Heilungsgesetze und Unterdrückung

Was ist nach der Verabreichung einer Medizin zu beachten?

Der Therapeut bzw. die Therapeutin muss unterscheiden, ob die verabreichte Arznei eine Heilung oder eine Unterdrückung der Symptome bewirkt hat. Dies kann nur am weiteren Verlauf der Erkrankung festgemacht werden.

Heilung

Prinzipiell richtet sich der Heilungsverlauf eines Körpers immer nach den so genannten Heilungsgesetzen (Heringsche Regel):

Heringsche Regel:

Der Körper heilt von oben nach unten, von innen nach außen, von den lebenswichtigen Organen zu den weniger lebenswichtigen Organen (d.h. die Haut heilt zuletzt) und in chronologisch umgekehrter Reihenfolge (d.h. die zuletzt entstandenen Symptome heilen zuerst aus). Während der Heilung kommen alte unterdrückte Symptome wieder zurück, damit sie nun ausheilen können.

Hierarchie der Organe:

Die Hierarchie der Organe richtet sich nach der Lebenswichtigkeit der Organe für den Körper.

Das Gehirn

Die höchste Wertigkeit hat das Gehirn; von ihm aus werden der Körper und das mit ihm verbundene Leben in einer sozialen Gemeinschaft gesteuert. Hier ist der Sitz der Gemütsverfassung und der Psyche. Vom Gehirn aus werden die verschiedenen hormonellen Regelkreise im Körper gesteuert.

Weitere Organe

Es schließen sich in absteigender Wichtigkeit Herz, Leber, Lunge, Niere, Sexualorgane, Wirbel und Muskeln an. Am Schluss der Hierarchie steht die Haut, die für das Überleben am unwichtigsten ist und somit erst ganz zuletzt ausheilt.

nach oben

Einfache Fallbeispiele:

Katze mit Ekzem

Die 6 Jahre alte Katze "Muschi" hat seit längerer Zeit ein Ekzem an der rechten Vorderpfote, an dem sie ständig leckt. Einige Wochen vor dessen Entstehung wurde eine zweite Jungkatze mit in den Haushalt aufgenommen. Seitdem ist Muschi ganz verändert. Sie sondert sich ständig ab und will mit der kleinen Katze nichts zu tun haben. Außerdem mag sie nur noch Fisch fressen. Muschi bekommt Natrium-muriaticum C1000. Schon in den folgenden Tagen ist sie viel geselliger geworden und hat das erste Mal mit der Jungkatze gespielt. Das Ekzem heilt nach einigen Wochen ohne weitere Behandlung ab.

Hund mit Lahmheit

Die 4 Jahre alte Hündin "Lucie" hat schon lange eine Lahmheit, die von der rechten Hüfte ausgeht. Komischerweise liegt sie immer auf der schmerzhaften Seite. Einige Wochen nach einem Besitzerwechsel bekommt Lucie erhöhte Leberwerte. Trotz Therapie kompliziert sich der Fall durch eine Bauchfellentzündung. Sie mag sich nicht mehr bewegen und auch das Haus nicht mehr verlassen. Sie bekommt Bryonia C200. Zuerst bessert sich die Bauchfellentzündung, Lucie bewegt sich wieder im Haus. Anschließend heilt die Leber aus. Lucie mag wieder spazieren gehen. Nach einigen Wochen bessert sich auch noch die Lahmheit.

Während der Heilung

Wurde eine passende Arznei verabreicht, und es setzt ein Heilungsprozess in der richtigen Richtung ein, so gilt folgendes:

Vorsichtig!
Während dieses Heilungsverlaufes darf der Körper nicht durch zusätzliche Therapiemaßnahmen oder andere Arzneien (auch keine homöopathischen!) gestört werden. Jede weitere Maßnahme kann den Heilungsverlauf zerstören und macht es dem Therapeuten unmöglich zu entscheiden, ob die Heilung wirklich eingesetzt hat oder nicht.

nach oben

Erstverschlimmerung

Sehr häufig hat man bei chronischen Krankheiten nach der Einnahme der homöopathischen Arznei eine Erstverschlimmerung. Diese ist erwünscht und darf nicht durch andere Arzneien unterdrückt werden. Jede langfristige Besserung führt erst einmal durch ein vorübergehendes Tal. Hier ist der Besitzer genauso wie der Therapeut gefordert durchzuhalten. Dieser Zeitpunkt ist einer der schwierigsten Momente in der Behandlungsphase, da die Tiere oftmals auch leiden können. In extremen Fällen darf lediglich ein mildes Schmerzmittel eingesetzt werden. Will man den Patienten auf ein höheres Gesundheitsniveau bringen (der Heilung einen Schritte näher), so muss der Körper die Chance erhalten, diesen Weg ohne weitere Hilfe zu durchlaufen. Jede äußere Maßnahme schwächt die körpereigenen Anstrengungen gesund zu werden. Hat man diese schwierige Phase der Heilung überstanden, wartet am Ende der Erfolg und die Belohnung: Dem Tier geht es besser als vor der Behandlung.

Unterdrückung der Symptome

Werden Körpersymptome medizinisch unterdrückt, so kann die Heringsche Regel in umgekehrter Reihenfolge ablaufen: Die Symptome verlagern sich auf eine tiefere Ebene (siehe Fallbeispiele). Dem Patienten wurde demnach nicht geholfen, und man sollte die Therapie dann abbrechen und umstellen.

Einfache Fallbeispiele:

Durch Kortison unterdrückter Hautausschlag

Der Rüde "Bobbi" hat einen juckenden Hautausschlag, der durch Kortison unterdrückt wird. Der Besitzer berichtet bei der Folgeuntersuchung, der Hautausschlag sei verschwunden, aber das Tier sei so aggressiv geworden.

Klassische Unterdrückungsreaktion

Die Symptome sind nicht ausgeheilt, sondern haben sich auf die Gemütsebene verschoben. Der Patient ist kranker als zuvor. Schafft es der Therapeut, die richtige homöopathische Arznei zu verabreichen, so wird der Hund wieder ausgeglichen sein und der Hautausschlag kehrt zurück. Dieser kann nun durch eine passende Arznei zur Ausheilung gebracht werden.

Antibiotisch behandelte eitrige Wunde

Eine eiternde Verletzung bei Dackel "Pinky" wird antibiotisch behandelt. Sie heilt aus, doch nach kurzer Zeit bekommt das Tier einen Bandscheibenvorfall, der nun mit Kortison und Schmerztabletten behandelt wird. Die Lahmheit vergeht, aber nach einiger Zeit trinkt Pinky sehr viel. Es wird eine Nierenschädigung festgestellt. Infusionen sind erfolgreich, doch im nächsten Herbst wird ein heftiger Bronchialinfekt diagnostiziert. Mit Hustenstillern und anderen Mitteln kann der Husten eingedämmt werden. Bei der nächsten Jahresimpfung wird erstmals ein leises Herzgeräusch beim Abhören festgestellt.

Verlagerung der Krankheit auf lebenswichtige Organe

Die Krankheit wird immer weiter in tiefer gelegene Organsysteme verschoben, d.h. die Erkrankung heilt nicht aus, sondern verlagert sich auf lebenswichtigere Organe. Für den Schulmediziner ist es jedesmal eine neue, eigenständige Erkrankung.

Schwerpunkt der Erkrankung

Die Fälle zeigen deutlich, dass sich jeweils (durch die immer weitergehende Unterdrückung der Symptome) der Schwerpunkt der Erkrankung innerhalb der Hierarchie des Organismus in die falsche Richtung bewegt. Wir müssen also davon ausgehen, dass die Therapie dem Patienten schadet. Wir sollten sie dann einstellen und ändern.

Unterdrückende Therapie - Verträglichkeit

Es gibt aber auch Patienten, die jede unterdrückende Therapie gut vertragen, weil ihre Lebenskraft enorm groß ist und ihre innere Krankheitsbereitschaft wenig ausgeprägt ist. Dies kann man aber vor einer Therapie nicht wissen.
  1. Klassische Homöopathie → Einführung
  2. Klassische Homöopathie → Entstehung und Grundprinzip
  3. Klassische Homöopathie → Einsatzbereiche und Chancen
  4. Klassische Homöopathie → Heilungsgesetze und Unterdrückung
  5. Klassische Homöopathie → Grenzen der Homöopathie

nach oben